Was macht eine Literaturagentur?

Eine Literaturagentur prüft und beurteilt Manuskripte und Buchprojekte daraufhin, inwiefern sich darin für Verwerter (Verlage, Film-, TV-, Hörbuch- oder E-book-Produzenten) relevante Verwertungsmöglichkeiten – als Buch, Hörbuch, TV-Produktion, E-Book oder zur Not auch als Kaffeetasse oder Bildschirmschoner – verbergen. Manchmal auch einfach nur, ob dieses Buch unbedingt erscheinen, diese Geschichte unbedingt erzählt werden muss (dann ist die Frage nach dem Kaffeetassenaufdruck erst Mal zweitrangig). Vor allem aber hat eine Agentur gegenüber Verlagen meist bessere Argumente als „meine Mutter musste weinen, als sie´s gelesen hat“ oder „angesichts der einseitigen Darstellung der Problematik braucht die Welt dieses Buch“.

Was habe ich von einer Literaturagentur?

Im Gegensatz zum Autor verwendet eine Agentur einen Großteil ihrer Zeit darauf, die Entwicklungen und Akteure des Buchmarkts und des Publizierens im Auge zu behalten, das Werk genau dem Verwerter/Verlag anbieten zu können, der AutorIn und Buch die besten Konditionen bietet (und das muss nicht immer ein hoher Vorschuss sein!). Eine Agentin verbringt die Hälfte ihrer Zeit damit, sich darüber auf dem Laufenden zu halten, welcher Verlag gerade von welchem Konzern übernommen oder abgestoßen worden ist, und welche Lektorin, die früher bei Verlag A für die Chick Lit zuständig war, jetzt bei Verlag B die fremdsprachige Unterhaltungsliteratur betreut. Die andere Hälfte ihrer Zeit widmet sie den Hard Facts – der geschäftlichen Seite, dem Aushandeln von Verträgen, der Zahlung von Vorschüssen und Tantiemen etc. In der dritten Hälfte ihrer Zeit achtet sie darauf, dass Buch und AutorIn entsprechend beworben, betreut und gefördert werden. Und dann bleibt ihr noch die gemütliche 4. Hälfte zur Betreuung ihrer AutorInnen, zum Lesen neuer Manuskripte und zum Beantworten von Anfragen.

Wie kriege ich Sie dazu, mein Manuskript zu prüfen?

Auf jeden Fall nicht, indem Sie Ihr Verwandtschaftsverhältnis zu all denen schildern, die von Ihrem Manuskript begeistert sind. Eher, indem Sie UNBEDINGT einen Blick auf die von der Agentur vertretenen Genres bzw. AutorInnen werfen. Passt Ihr Manuskript dort halbwegs hinein? Falls ja, folgen Sie den Richtlinien zur Manuskripteinreichung, die sich von Agentur zu Agentur unterscheiden. Wir von Partner + Propaganda zum Beispiel wollen auf gar keinen Fall angerufen werden, einige bevorzugen den Postweg, andere die Ansprache per Mail… Die Nichtbeachtung dieser Richtlinien kann dazu führen, dass das Manuskript ungelesen bleibt.

Woher soll ich wissen, welche Genres eine Agentur vertritt?

Woher wissen Sie, in welchem Geschäft Sie italienische Lederschuhe finden, in welchem Gemüseladen Bioprodukte und in welchem Kaufhaus einen Schuster? Es gibt Gelbe Seiten, Brancheninformationen und -verzeichnisse. Und die meisten Literaturagenturen lassen sich über Suchmaschinen finden.

Wozu dient das Exposé?

Ihr Exposé ist Ihr erstes – und möglicherweise letztes – Verkaufsargument. Verwenden Sie darauf entsprechend viel Zeit, Geist und Aufwand. Das Exposé ist das erste, dem ich meine Aufmerksamkeit widme – nicht der Leseprobe. Dem Exposé muss es gelingen, eine Erwartung zu wecken. Dem Exposé muss es gelingen, nicht nur mich für das Manuskript zu interessieren, sondern mich zusätzlich zu überzeugen, dass das Manuskript auch für mindestens 1.000 potenzielle BuchkäuferInnen interessant sein könnte. Natürlich ist es letztendlich das Manuskript selbst, das mich überzeugen muss. Aber mich dazu zu bewegen, mir das Manuskript anzuschauen, das muss dem Exposé gelingen.

Kann ich Ihnen meine Idee nicht einfach schildern oder einen Link zu meiner Homepage schicken?

Können Sie. Aber es wird nichts nutzen. Wenn Sie wollen, dass ich mich mit Ihrem Manuskript befasse, schicken Sie mir ein aussagefähiges Exposé und Ihre Autorenvita.

Kostet es etwas, wenn Sie mein Manuskript prüfen?

Nein. Und Finger weg von Agenturen, die das fordern. Agenturen werden dafür bezahlt, dass sie Manuskripte verkaufen, nicht dafür, dass sie sie lesen.

Nehmen Sie auch DebütautorInnen an?

Ja.

Was passiert, wenn Sie meine Anfrage erhalten haben?

Wenn klar ist, dass Ihr Manuskript überhaupt nicht zu Partner + Propaganda passt, hören Sie sehr schnell von uns. Bei einer Ablehnung ohne weitere Erklärung können Sie davon ausgehen, dass Sie die Richtlinien zur Manuskripteinreichung nicht sorgfältig genug studiert haben. Ansonsten versuchen wir, die eingegangenen Manuskriptangebote innerhalb von 2 – 3 Monaten zu prüfen. Kurz vor, während und nach den beiden Buchmessen in Frankfurt und Leipzig kann es allerdings zu wesentlich längeren Bearbeitungszeiten kommen.

Warum dauert das so lange, mein Manuskript zu prüfen?

Die Hauptaufgabe einer Agentur besteht darin, die Manuskripte zu verkaufen, die sie aktuell vertritt. Angenommen, für die Akquise neuer AutorInnen stünden 10 – 20% der Wochenarbeitszeit zur Verfügung, dann bleiben bei durchschnittlich 40 Wochenstunden 4 – 8 Stunden zum Lesen von Exposés oder Manuskripteinsendungen. Bei einer Geschwindigkeit von 50 Seiten/Stunde sind das 200 bis 400 Seiten/Woche. Die sich auf 5 -10 Manuskriptangebote/Woche sowie die angeforderten kompletten Manuskripte verteilen.

Dass Sie mein Manuskript abgelehnt haben, war ein großer Fehler. Werden Sie es erneut prüfen, wenn ich Ihnen erkläre, warum?

Nein. Im Zweifelsfalle ärgere ich mich grün und blau, wenn ich Ihr Buch später auf der Spiegel-Bestsellerliste sehe. Aber ich überlege mir sehr genau, wozu ich nein, und noch genauer, wozu ich ja sage: nämlich zu Titeln, von denen ich mir vorstellen kann, dass ICH sie verkaufen kann. Nicht, dass irgendwer sie verkaufen kann. Wenn ein anderer Agent das anders sieht, werden Sie ihn finden. Spätestens nach ca. 10 Absagen sollten Sie allerdings allmählich nicht mehr nur an den Agentinnen und Agenten zweifeln…